• Home
  • Impressum
  • Kontakt
  • Links
  • Presse
  • Shop
  • Sponsoren
  • Steckbriefe
  • Über uns
  •  

    Das Rebel Con IV Poster: Martin meldet sich zu Wort

    Guenther Organa führte für den Rebellenstützpunkt.de ein Interview mit dem Illustrator Martin Schlierkamp. Zum Ende des Gespräches findest Du eine Bildergalerie zur Entstehung seiner Postervorlage.

    final

    Rebellenstützpunkt:
    Hallo Martin, danke für deine Zusage zu diesem Interview. Magst du uns anfangs ein wenig von dir erzählen?

    Martin:

    Gern! Ich wurde im Sommer 1972 als erstes von vier Geschwisterkindern in Köln geboren.
    Meine erste Berührung mit Comics und mit Star Wars hatte ich dank meiner Mutter, die mir auf mein Betteln hin damals drei Comics kaufte, bevor ich lesen konnte, ich muss um die 5 Jahre alt gewesen sein: Den Batman Superband Nr. 1 von Ehapa, das Die Spinne Comic-Album Nr. 1 von Condor und Krieg der Sterne Nr. 3 von Williams. In der Nr. 3 war die erste komplette Story nach der Filmadaption enthalten. Dank der älteren Nachbarskinder in unserem Wohnblock kannte ich schon viele Szenen aus dem Film und habe die Figuren auf und im Comicheft wiedererkannt. 1979 sind wir nach Zündorf in den Kölner Süden gezogen, wo es mich bis heute gehalten hat. Dort habe ich in einem Spielwarenladen die Kenner Figuren gesehen und durfte sie mir nach und nach kaufen. Der Stormtrooper war die Nummer 1. Star Wars hatte mich fest im Griff, lange bevor ich den
    ersten Film im Kino gesehen hatte. Den bekam ich erst zu sehen, als der zweite Teil in die Kinos kam. Als nach dem Vorspann der Sternzerstörer über mich weg bretterte, machte irgendetwas in mir „Klick“ und Star Wars, Fantasy, Science Fiction und Spezialeffekte im Film haben mich nie wieder losgelassen.

    Rebellenstützpunkt:

    Wie kam es, dass du dich für den Weg eines Künstlers entschieden hast. War das schon ein Kindheitstraum oder wolltest du wie wir alle Astronaut, Feuerwehrmann oder Fußball Profi werden?

    Martin:
    Dass mein Berufsweg ein kreativer sein würde, war relativ früh klar. In welche Richtung das genau gehen würde stand zwar nicht fest, aber außer lesen und zeichnen hatte mich damals lange Zeit nicht viel interessiert. Während der Oberstufe habe ich ein Interesse für Geschichte entwickelt, die Archäologie stand plötzlich auf dem Plan. Auch mit Paläontologie habe ich mich beschäftigt, aber letzten Endes hat die Zeichnerei gewonnen. Viele meiner frühen Zeichnungen zeigen Dinosaurier und Star Wars, irgendwie war der Weg vorgezeichnet. Nach einem Praktikum in einem Kölner Trickfilmstudio habe ich dann letztlich nach dem Abitur in Düsseldorf an der Fachhochschule Design mit den Schwerpunkten Illustration und Foto studiert, war zwei Jahre als Angestellter in der PC-Spieleentwicklung tätig und arbeite seit 2002 freiberuflich als Illustrator und Designer für verschiedene Verlage, Agenturen und Privatkunden.

    Rebellenstützpunkt:
    Was hat dich dazu bewegt mit dem Malen und Zeichnen anzufangen?

    Martin:
    Eine bewusste Entscheidung gab es da nicht, ich kann mich nicht erinnern, jemals nicht gezeichnet zu haben oder nicht kreativ gewesen zu sein. Damit meine Geschwister und ich nicht alles voll schmierten, was uns vor den Stift oder die Kreide kam, hatten wir irgendwann z.B. eine Schiefertafel, die wir fleißig nutzten. Aus Pappkartons haben wir uns Raumschiffe gebastelt, am Rhein und auf den Feldern ums Dorf haben wir unsere kleinen Abenteuergeschichten erlebt. Und irgendwie landete das Erlebte und Gespielte immer wieder auf dem Papier.

    Rebellenstützpunkt:
    Wir wissen, dass der Applaus das Brot des Künstlers ist, wie war der Moment für dich als du deine erste professionelle Veröffentlichung in Händen hieltest?

    Martin:
    Das war schon aufregend und eine tolle Sache. Meine ersten richtigen Veröffentlichungen waren eine Illustration von David und Goliath in einem kirchlichen Magazin und ab 1989 ein paar kleine Abstecher ins Fanzine-Lager. Es war total spannend, meine ersten Arbeiten gedruckt zu sehen. Bis heute sind Veröffentlichungen etwas großartiges, auch wenn der Job daraus natürlich irgendwann etwas beinahe selbstverständliches macht. Wenn ich aber z.B. ein Buchcover mit viel Herzblut illustriere, freue ich mich noch immer riesig, später das gedruckte Buch in meinen Händen zu halten.

    Rebellenstützpunkt:
    Was fasziniert dich an Star Wars?

    Martin:
    Die Mischung. Damals waren es vor allem die Effekte und die abenteuerliche Geschichte, die mich beeindruckt haben. Und ganz klar wollte ich so cool sein wie Han Solo! Über die Jahre kamen andere Aspekte dazu. Star Wars funktioniert auf vielen Ebenen, als Abenteuer, Effektspektakel, Entwicklungsgeschichte, Weltraumoper, Familiensaga. Yoda hat bleibenden Einfluss, ich weiß nicht mehr, wie oft ich schon sein „Tu es oder tu es nicht, es gibt kein Versuchen.“ zitiert habe. Da steckt viel Wahrheit drin. George Lucas hat hier ein wirkliches Phänomen geschaffen. Inzwischen interessieren mich dank Star Wars auch Lucas‘ Vorbilder wie etwa die Film Serials der 40er und 50er Jahre, die ihm viele Ideen geliefert haben. Star Wars hat auch früh mein Interesse an Design geweckt, das Produktionsdesign vor allem der Originaltrilogie hat bis heute auf mich nichts von seinem Reiz verloren. Und natürlich ist mir John Williams‘ Filmmusik in Fleisch und Blut übergegangen. Dieser Soundtrack hat meine Liebe zu Filmsoundtracks generell geweckt.

    Rebellenstützpunkt:
    Mal ganz ehrlich, was hältst du von den Episoden 1 bis 3?

    Martin:
    Ich finde sie problematisch. Ich kann viele der kreativen Entscheidungen, die Lucas getroffen hat,
    nachvollziehen, aber er hatte nicht immer ein glückliches Händchen. Ich finde Palpatines Aufstieg, also quasi die Geschichte im Hintergrund, wirklich gelungen. Leider gibt es viele unglückliche Momente, wie etwa den großen Midi-Chlorianer-Stöhner oder die Tatsache, daß Anakin C-3PO konstruiert hat. Überhaupt habe ich mit dem Fanservice innerhalb der Prequel-Trilogie echte Probleme. Warum kennen Chewbacca und Yoda sich? Warum werden die Sandleute, die ich in Episode 4 immer als eher bedrohlich empfunden habe, in Episode 1 zu Witzfiguren, die aus Jux mal eben das Pod-Rennen torpedieren? Musste der „magische“ Sonnenuntergang unbedingt in den Episoden 2 und 3 regelrecht inflationär verheizt werden? Weiterhin denke ich, dass es der Trilogie gut getan hätte, wenn man Anakin im ersten Film schon älter hätte sein lassen. Dann hätte man seine
    Entwicklung etwas stringenter erzählen können. Sein komplettes Umkippen zur dunklen Seite in Episode 3 kommt doch arg forciert. Ich hätte es auch schöner gefunden, wenn sich ein Weg hätte finden lassen, Anakins „Vader-Werdung“ auszusparen, so dass „Ich bin dein Vater“ bei chronologischem Ansehen der Filme immer noch für Neulinge eine Überraschung geblieben wäre. Es gibt auch positives, wie etwa die Entwicklung von Ben, den McGregor toll darstellt. Oder halt, wie gesagt, Palpatines Weg zur Macht. Ich denke, dass Lucas als Mythenentwickler großes geleistet hat, dass er aber möglicherweise am Erzählen der Geschichten und an den Charakteren im Einzelnen weniger interessiert war. Außerdem ist mir die Ästhetik der neuen Filme insgesamt zu steril geraten, die alten Filme wirkten insgesamt lebendiger.

    Rebellenstützpunkt:
    Du hast ja selber auch Erfahrungen im Animationsbereich gesammelt. Wie findest du die Star Wars
    Animationsserien? Die Lager sind ja da durchaus gespalten. Einigen sind sie zu kindlich bzw. zu japanisch.

    Martin:
    Ich finde sie gewöhnungsbedürftig. Ästhetisch passen sie für mich einfach nicht in „meinen“ Star Wars Kosmos. Nachdem ich aber ein paar Folgen der Clone Wars am Stück gesehen habe, muss ich sagen, inhaltlich sind da schon gute und stimmige Geschichten dabei. Ich finde es auch mutig von den Machern, diese sehr eigene Ästhetik so konsequent durchzuziehen. Für sich genommen hat das alles schon seinen Reiz. Der erste Anlauf als Zeichentrickserie hat mir allerdings noch deutlich besser gefallen als die spätere CGI-Serie. Ich hätte mich insgesamt mehr über die angedachte Realserie gefreut.

    Rebellenstützpunkt:
    Nach dem Verkauf des Franchise an Disney gibt es ja einige bedenken in der Fan-Szene was das weitere Vorgehen damit angeht. Teilst du diese Bedenken oder siehst du das eher entspannter?

    Martin:

    Ich sehe das eher entspannt. „Meine“ Star Wars Trilogie habe ich ja. Vielleicht gibt es irgendwann durch Disney sogar doch noch eine offizielle Veröffentlichung der restaurierten Originalkinofassung in bestmöglicher Bild und Tonqualität. Darüber hinaus kann es nur gut sein, wenn die Saga weiterlebt. Disney hat mit z.B. einigen der Marvel-Filme gezeigt, dass sie gute Genrefilme produzieren können. Ich traue ihnen durchaus zu, etwas aus Star Wars zu machen. Ich freue mich sehr darüber, dass als Autor Lawrence Kasdan mit an Bord ist, denn mit der Story steht und fällt für mich das Ganze. Auch, wenn ich mich natürlich wie ein 10jähriger freue, Han Solo noch einmal in Aktion zu sehen. Und sollten die neuen Filme nichts taugen, kann ich sie immer noch ignorieren.

    Rebellenstützpunkt:
    Im jetzigen Kino haben sich ja Verfilmungen von Roman und Comicvorlagen wie Herr der Ringe, Die Tribute von Panem, Twilight und Batman, um nur einige zu nennen, durchgesetzt. Wie findest du das und denkst du, dass es dem Genre Science Fiction/Fantasy bzw. Comic zuträglich ist?

    Martin:
    Dass es aktuell viele Adaptionen von Literatur gibt, seien es Comics oder Romane, gefällt mir grundsätzlich recht gut. Der Film hat als Medium ganz andere Möglichkeiten als das geschriebene Wort, er hat aber auch andere Grenzen und Probleme. Was ich bei filmischen Adaptionen wichtig finde, ist, dass sie dem Grundtenor und der Intention der Vorlage treu bleiben. Kürzungen und Umstrukturierungen sind oft nicht zu umgehen – der Herr der Ringe hätte unbearbeitet als Film einfach jeden Rahmen gesprengt. Solange damit vernünftig umgegangen wird, ist das für mich völlig in Ordnung, ich sehe mir gern Filme an. Dass diese aktuelle Genrefilmschwemme den entsprechenden Genres zuträglich ist, bezweifle ich. Ich glaube nicht, dass das breite Publikum von heute sich
    nach dem Ansehen von z.B. dem aktuellen Amazing Spider-Man die Originalgeschichten von Lee und Ditko zulegen würde oder dass jemand, der den Herrn der Ringe komplett gesehen hat, danach das Buch lesen wollen wird. Es ist alles sehr schnelllebig geworden und eine Auseinandersetzung mit den literarischen Vorlagen erfordert Interesse, Durchhaltevermögen und Fantasie in einem Maße, wie ich es beim aktuellen jungen Publikum selten sehe. Aber vielleicht kippt das ja nochmal und Ausnahmen gibt es immer!

    Rebellenstützpunkt:
    Dies ist ja nicht nur deine zweite Teilnahme an unserer Rebel Con, sondern diesmal steuerst du ja noch diesen wunderbaren Druck dazu. Was hat dir an deiner ersten Teilnahme gefallen, dass du spontan wieder zugesagt hast?

    Martin:
    Mir hat die freundliche Aufnahme in eurer Runde und der generell sehr familiäre und freundschaftliche Umgang miteinander von vornherein sehr gut gefallen. Ich fühlte mich als alter Star Wars Fan direkt gut aufgehoben!

    Rebellenstützpunkt:
    Wie kam es zu der Idee mit dem Druck und wie war die Arbeit daran für dich?

    Martin:
    Die Idee haben wir ja zusammen bei einem Stammtischtreff entwickelt, was viel Spaß gemacht hat. Die Arbeit am Bild selbst war eine Herausforderung für mich, weil ich wegen der vielen Details diesmal ein gutes Stück größer gemalt habe, als ich das sonst tue. Da das gut funktioniert hat, seid ihr es also „schuld“, wenn ich künftig öfter mal etwas „größer“ produziere.

    Rebellenstützpunkt:
    Lass uns schnell noch ein paar „Bravo“ Fragen abhaken:
    Lieblings Film der Star Wars Saga: Episode 4, ganz knapp gefolgt von Episode 5, beide in der alten Kinofassung
    Lieblings Charakter: Han Solo
    Lieblings Actionfigur: Stormtrooper, immerhin war er mein Einstieg ins Puppensammeln
    Vintage oder Neo: Vintage
    Auspacken oder auf Karte lassen: Auspacken und spielen!

    Rebellenstützpunkt:
    Zum Abschluss noch zwei Fragen. Was für ein Traum als Künstler würdest du dir gerne erfüllen und welchen als Fan?

    Martin:
    Abgesehen davon, dass ich gern die Zeit und die finanziellen Mittel hätte, um in Ruhe das eine oder andere persönliche Projekt umsetzen zu können, fände ich es natürlich großartig, offiziell für ein paar der Franchises, die mir etwas bedeuten oder an denen ich Spaß habe, zu arbeiten. Star Wars und Indiana Jones wären da klar ganz weit vorne. Als Fan würde ich gern Drew Struzan besuchen, den Illustrator der meisten der Star Wars und Indiana Jones Poster und Romancover, und ihm bei der Arbeit zusehen. Seine Arbeit hat mein ästhetisches Empfinden sehr stark geprägt und mit ihm zu fachsimpeln und mir seine Originalbilder anzusehen wäre mir eine
    Riesenfreude.

    Rebellenstützpunkt:
    Vielen Dank Martin für dieses sehr interessante Gespräch, was wir bestimmt bei einem der nächsten Stammtische fortsetzen werden.

    Martin:
    Darauf freue ich mich!

    Schreibe einen Kommentar